Quelle: Kirchengemeinde Hesel

Rückblick

Nachricht 24. November 2020

Große Runde

Jedes Jahr treffen sich in unserer Kirchengemeinde im Herbst die Gruppen- und Chorleiter sowie der Kirchenvorstand zur sogenannten „Großen Runde“, um gemeinsam das nächste Kirchenjahr zu planen.Wie so vieles andere verlief auch dieses Treffen in diesem Jahr ganz anders als sonst üblich. Unter anderem war es nicht möglich, sich im Martin Luther Haus mit der traditionell dazu gehörenden Tasse Tee zu treffen, die geforderten Abstände konnten nur in der Kirche als Versammlungsraum eingehalten werden.

Der Fokus lag ob der eher nicht absehbaren Entwicklung der Coronapandemie und den damit verbundenen notwendigen Maßnahmen auch weniger auf der konkreten Planung des kommenden Jahres, sondern mehr auf einer Rückschau auf den Zeitraum seit dem Coronalockdown im März dieses Jahres. Die Stimmung war daher verständlicherweise auch nicht so zuversichtlich wie in den Jahren zuvor.

Die Zeit seit dem Coronalockdown hatte die Gruppen und Chöre vor besondere, vorher nicht gekannte und geahnte Herausforderungen gestellt. So hatten manche, nachdem sie sich überhaupt wieder treffen durften, nach Quartieren im Freien gesucht. Unter anderem waren die Spielkreise in den Gemeindegarten ausgewichen und der Posaunenchor hielt seine Übungsabende in einer Scheune ab.

Zum Zeitpunkt des Zusammentreffens der Großen Runde durften die Gitarrenchöre wieder im Martin Luther Haus üben, wobei aber beim Singen Masken zu tragen waren und sich keiner von seinem Platz wegbewegen durfte. Auch musste alle zwanzig Minuten kräftig gelüftet werden. Für die Einhaltung all dieser Vorschriften ist der jeweilige Chor- oder Gruppenleiter verantwortlich. Einige Gruppen hatten sich seit März auch gar nicht mehr treffen können. Vor allem für den Seniorenkreis war es ein schweres Jahr. Einerseits gehören sie zu den besonders stark durch Corona gefährdeten Personengruppen, so dass man hier besonders vorsichtig sein muss. Andererseits haben sie zum Teil aber auch nicht mehr so viele andere Kontakte und vermissen deshalb ganz besonders schmerzlich das monatliche Treffen im Seniorenkreis. Zum Zeitpunkt der Großen Runde hatte man sich seit März noch gar nicht wieder getroffen, war nun aber wieder vorsichtig optimistisch und hatte überlegt, im neuen Jahr eventuell die Gruppe aufzuteilen, die Dauer der Zusammenkünfte dieser beiden Gruppen auf jeweils eine Stunde zu begrenzen und dazwischen wie gefordert alle Fenster und Türen aufzureißen, um das Ansteckungsrisiko zu minimieren.

Der Kirchenvorstand berichtete auch an diesem Abend. Er hatte in der Lockdownzeit lange Zeit nur inform von Videokonferenzen tagen können und hatte im letzten halben Jahr viel Zeit mit Hygienekonzepten und sich ändernden Allgemeinverfügungen des Landkreises und Handlungsemp-fehlungen der Landeskirche verbringen müssen. Dabei mussten viele Entscheidungen getroffen werden, die keinen im Kirchenvorstand begeisterten, um die man aber nicht herumkam.

Die letzte bittere Entscheidung war gewesen, dass man nun auch in der Heseler Kirche das Singen der Gottesdienstbesucher verbieten musste. Trotz der großen Sorgen und vorher nicht gekannten Hürden bei der Kirchenarbeit gab es aber eine wertschätzende Grundstimmung an diesem Abend. Viele der Gruppen- und Chorleiter trugen ihre Sorgen und offenen Fragen vor und hofften auf Antworten. Nicht alle Fragen die Zukunft betreffend konnten beantwortet werden und bei anderen fielen die Antworten nicht so aus, wie die Fragesteller sie sich erhofft hatten. Dennoch begegnete man sich auf Augenhöhe. Anfeindungen blieben in der Kirche aus.

Viele betonten, dass sie nicht in der Haut des Kirchenvorstandes stecken möchten, der viele Entscheidungen zu treffen hat, die das bis März gekannte Kirchenleben nicht mehr möglich machen. Nur zwei Tage nach der Großen Runde wurde der nächste Lockdown angekündigt, zunächst begrenzt auf den November. Für die Kirche hat er wieder Folgen, unter anderem dürfen die Chöre wieder nicht üben.

Man kann nur hoffen, dass der neue Lockdown tatsächlich nur die avisierten vier Wochen dauert und dass in dieser Zeit die Anzahl der Neuinfektionen wieder deutlich zurückgeht, damit man danach wieder Schritt für Schritt zur Normalität zurückkehren kann.

Diese Zeit, von der heute keiner sagen kann, wie lange sie dauern wird, kann auch eine Kirchengemeinde nur meistern, wenn man zusammenhält, auch bei mehr physischer Distanz ein gutes Miteinander pflegt. In der großen Runde am 26. Oktober ist das gelungen. Ganz und gar nicht gelungen ist es aber, wenn einige wenige, die mit den gegebenen Antworten nicht zufrieden sind, im Nachhinein dann mit WhatsApp haltlose Vorwürfe an Entscheidungsträger spammen.

Dies dient der Sache ganz und gar nicht. Es wird in diesen Tagen viel über den Respekt vorm Ehrenamt gesprochen. Diesen Respekt hat auch jede und jeder, die/der sich für die Kirche einsetzt verdient.

Text: Anita Berghaus

Jugend in der ehemaligen DDR

Aus Anlass des 30. Jahrestages der Wiedervereinigung hatten wir von der Männerrunde Pastorin Elske Oltmanns in unserer Liudgeri-Kirche zu Gast, die uns einen bewegenden Vortrag über ihr Leben in der DDR gehalten hat. Geboren und aufgewachsen ist Elske Oltmanns im nördlichen Harzvorland (50 km südwestlich von Magdeburg).

Ihr Vater, Dr. Aiko Oltmanns, aufgewachsen in Bunde im Rheiderland, war dort Chefarzt im Krankenhaus in Quedlinburg. Er ist beruflich bedingt von Berlin mit ihrer dort aufgewachsenen Mutter in den Harz gezogen. In der ehemaligen DDR erlebte sie als junges christlich erzogenes Mädchen mit 17 Jahren im Frauengefängnis Hoheneck in Stollberg und im Roten Ochsen, Untersuchungshaftanstalt der Stasi in Halle, was einen erwartet, wenn man von der Stasi als politischer Gefangener wegen angeblicher staatsfeindlicher Verbindungen, Staatsflucht und subversiver staatsfeindlicher Tätigkeiteninhaftiert ist. Was Elske Oltmanns dort als menschenunwürdige und psychische Folter erlebte, ließ sich nur aushalten, wenn man Gott an seiner Seite weiß. Ein 100-Watt-Strahler ging alle 30 Minuten in der Einzelhaft, rund um die Uhr an und wieder aus.

Sie erzählte uns, wie sie einmal wegen angeblicher Anstiftung zur Revolte, im Keller in eine Wasserzelle gesteckt, die, nachdem sie mit den Händen nach oben gefesselt war, mit Wasser geflutet wurde und wie sie in der totalen Finsternis jegliches Gefühl für Raum und Zeit verlor und nicht wusste, ob und wann das Wasser abgeschaltet wird. In solchen Situationen half ihr der Psalm 91 Vers 11-12, wo es heißt :

“Denn er hat seinen Engeln befohlen, dass sie dich behüten auf allen deinen Wegen, dass sie dich auf den Händen tragen und du deinen Fuß nicht an einen Stein stoßest.“

Ihre beiden jüngeren Geschwister wurden während der Haftzeit ihrer Eltern in ein Kinderheim untergebracht. Als Elske Oltmanns und ihre Mutter aus der Haft entlassen wurden, erfuhr sie durch ihre Mutter, dass ihr über alles geliebter Vater aus ungeklärten Gründen während der Haft gestorben war. Auch wenn bis heute immer noch darüber diskutiert wird, ob man die DDR als Unrechtsstaat bezeichnen darf, trifft das auf jeden Fall zu, wenn man sich nicht systemkonform verhielt und damit ins Visier der Stasi geriet. Dies ist nur ein kurzer Ausschnitt von dem was Elske Oltmanns während der Haft erlebte. Sie hat ihren Humor und ihre positive Einstellung und Lebensfreude wiedergefunden, weil sie weiß, dass sie von Gott geliebt und getragen wird. Dieser Vortrag hat uns alle sehr bewegt und verdeutlicht, wie glücklich man sich schätzen kann in einem demokratischen Staat leben zu dürfen und alles daran setzen muss, dass sich so etwas nicht wiederholt.