Quelle: Kirchengemeinde Hesel

Grußwort

Nachricht 05. Juni 2022

Du bist so schön!

Was sehen Sie, wenn Sie morgens in den Spiegel schauen? Lächelt Sie ein ausgeschlafenes Gesicht an oder ist es eher ein müdes Gesicht, in das Sie schauen? Vielleicht sehen Sie die Anstrengungen der letzten Wochen und Monate in Ihrem Gesicht. Die Sorgen, die Sie sich machen. Die Dinge, über die Sie grübeln, haben Ihre Spuren hinterlassen. Die ersten kleinen Fältchen, die sich um Ihre Augen abzeichnen. Die grauen Haare, die langsam dünner werden. Vielleicht macht Ihr Gesicht einen ausgeruhten Eindruck! Die ersten Sommersprossen sind auf Ihrer Nase zu erkennen. Egal, welches Gesicht Sie heute im Spiegel sehen. „Sie sind so schön“ - das zumindest sagt Mehmet Genç zu den Frauen, die er fotografiert. Er ist Fotograf, hat aber keine Supermodels oder Schauspielerinnen vor seiner Linse. Nein. Die Frauen, die er ablichtet, leben ein anderes Leben. Meist sind es Frauen, aus abgeschiedenen Gegenden dieser Welt. Er trifft diese Frauen auf seinen Reisen. In einem kleinen Dorf mitten im Dschungel des Amazonas oder im Hochland von Guatemala. „Du bist so schön“, sagt er, wenn er auf den Auslöser drückt. Diese Frauen sind in einem anderen Sinne schön. Ihre Gesichter erzählen Geschichten. Furchen durchziehen die Gesichter. Manche haben Narben, andere kaum oder gar keine Zähne. Und trotzdem strahlen die Bilder des Fotografen. Diesen Satz sagt auch Gott zu uns. „Du bist so schön!“ Oder im Hebräischen: Du bist „tov meod“. „Du bist sehr gut.“ Gott sagt das, als er seine Schöpfung anblickt. Und Gott sagt es nicht nur einmal, sondern immer wieder - egal, welche Falten und Lücken wir in unserem Leben und Gesicht sehen. Wir können uns an den Worten freuen, sie hören und dadurch strahlen. Und wir können andere Menschen mit den Worten verzaubern. So wie Genç es auf seinen Reisen tut.

Pastorin Taalke von Blumröder

Gott sah alles an, was er gemacht hatte: Es war sehr gut. Es wurde Abend und wieder Morgen – der sechste Tag.

Gen, 1 31